Slowakei – unentdeckter Wein-Nachbar

Die Slowakei. Nachbarland Österreichs und von meinem Wohnort Eisenstadt schneller zu erreichen als mein Elternhaus in der Steiermark. Abgesehen von einigen Kurzbesuchen in Bratislava war die Slowakei bis jetzt jedoch völliges Neuland für mich, vor allem in puncto Weinbau.

Organisator dieses Ausflugs, Peter Handzus
#winelover Peter Handzus

Dank Peter Handzus, #winelover, Önologe, Lehrer und Wine- & Food-Blogger, der sein Leben dem Wein verschrieben hat, bekam ich gemeinsam mit anderen #winelover/n die Möglichkeit etwas mehr über das Weinland Slowakei zu erfahren. Diese Gelegenheit nahm ich begeistert wahr und machte mich an einem sonnigen Tag im Mai auf den Weg nach Bratislava. Von dort ging es entlang der von Weingärten gesäumten Donau, die mich an die Wachau denken ließen, weiter Richtung Nordosten. Peter erklärte mir dabei das Offensichtliche: Klima, Böden und Rebsorten sind jenen in Österreich sehr ähnlich. So sind etwa die bedeutendsten Rebsorten der Slowakei alle auch in Österreich heimisch: Grüner Veltliner (Veltlínske zelené), Welschriesling (Rizling vlašský), Blaufränkisch (Frankovka modrá), Müller-Thurgau, St. Laurent (Svätovavrinecké), Rheinriesling (Rizling rýnsky) und Weißburgunder (Rulandské biele).

Auf knapp 20.000 ha Rebfläche produzieren rund 400 Weinbaubetriebe etwa 40 Mio. l Wein, mit denen rund die Hälfte des Inlandkonsums abgedeckt wird. Wein wird in 6 Weinbaugebieten kultiviert: Kleine Karpaten, ca. 30 km nördlich von Bratislava; Nitra-Region, Zentral-Slowakei, Ost-Slowakei, Tokaj und Süd-Slowakei. Wobei letztgenannter Region die höchste Dichte an Betriebe auf internationalem Niveau nachgesagt wird.

Ing. Ladislav Sebo vor seinem "Suchý vrch" Weingarten
Ing. Ladislav Sebo vor seinem „Suchý vrch“ Weingarten

Unser Tagesausflug konzentrierte sich auf die Region der Kleinen Karpaten und begann am Weingut Elesko. Elesko ist mehr als nur ein Weingut, es ist ein zeitgenössischer Weinraum mit Restaurant, Zimmern, Ausstellungsräumlichkeiten und ultramodernem Design. Von hier aus ging es weiter zum Familienweingut Karpatská Perla, wo uns Besitzer Ing. Ladislav Šebo willkommen hieß. Das Weingut wurde von seinen heutigen Besitzern 1991 übernommen und seither ständig modernisiert und auf 50 ha Rebfläche erweitert. Es wird eine breite Palette an Weinen in unterschiedlichen Kategorien erzeugt, von denen mich der VARIETO Devin 2011 am meisten begeisterte. Ein aromatischer Cuvée aus Gewürztraminer, Rotem & Grünem Veltliner, der mit selektionierter Hefe aus dem eigenen Weingarten vergoren wurde. Dieser vollmundige und zugleich frische Wein zeigt intensive Muskataromen und wurde am Concours Mondiale de Bruxelles mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Die Reben für diesen prämierten Wein, wachsen im  Weingarten „Suchý vrch“ bzw. „Trockener Hügel“. Er ist mit 28 zusammenhängenden Hektar der größte und bedeutendste des Betriebes.

Pralinen mit Alibernet-Füllung harmonieren wunderbar mit dem gleichnamigen Rotwein
Edle Pralinen aus belgischer Schokolade, verfeinert mit dem VARIETO Alibernet

Ein weiteres Highlight der Weinverkostung auf Karpatská Perla war die für mich bis dato unbekannte Rebsorte Alibernet. Sie ist eine Kreuzung aus Alicante Henri Bouschet x Cabernet Sauvignon und wurde zu Sowjetzeiten in Odessa gezüchtet, mit dem Ziel Farbtiefe und kräftige Tannine zu erreichen. Diese Eigenschaften machen die Rebsorte zu einem idealen Cuvée-Partner und für den Ausbau im Barrique prädestiniert. Reinsortig war dieses Beispiel von Holz dominiert, reich an Tanninen und sehr Cabernet-lastig. Der Ausnahmejahrgang 2009 verspricht jedoch großartiges Reifepotenzial und Langlebigkeit.

Das nächste und zugleich letzte Weingut war mit Terra Parna wieder ein neues Projekt. Auf 3,5 ha werden hier Sauvignon Blanc, Rheinriesling, Blauer Portugieser und St. Laurent angebaut. Während bei den Weißweinen eindeutig der österreichische Stil mit trockenen, säurebetonten und reduktiv ausgebauten Jahrgängen dominiert, muss bei den Rotweinen erst eine durchgängige Stilistik gefunden werden. Die Leidenschaft und Freude mit der auf Terra Parna gearbeitet wird, lassen für die Zukunft Vielversprechendes erwarten.

Verschiedene Käse und Wurstspezialitäten dürfen bei keiner Weinverkostung fehlen
Gastfreundschaft à la Slowakei

Dieser Kurztrip in die Slowakei konnte nur einen punktuellen Einblick in das Weinbauland Slowakei geben. Trotzdem wurde deutlich, dass hier in den letzten Jahren viel investiert wurde und die Augen auf das Nachbarland Österreich gerichtet sind, sei es im Hinblick auf die moderne Architektur oder die Vinifizierung der Weine. Für österreichische Winzer jedoch (noch) kein Grund zur Panik! Denn auch die Preise der slowakischen Weine sind auf österreichischem Niveau, was gepaart mit der relativ geringen Produktion den slowakischen Wein bestimmt nicht von heute auf morgen zum Exportschlager machen wird. Die Grundvoraussetzungen sind allerdings vielversprechend. Mittelfristig wird dieses Weinbauland, das sich nach dem Ende der sowjetischen Ära neu definieren musste, bestimmt seine eigene Identität finden. Kosten empfohlen!

 

Detailliertere Informationen zum Weinbau in der Slowakei finden Sie auf der Homepage von Wines of Slovakia.

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