Von Gatschhütten und Schaffenskunst

Idyllisch und verträumt sind die Worte, die sich bei der Anreise ins südliche Burgenland  vor meinen Augen manifestieren. Es ist eine wahrhafte Bilderbuch Landschaft, die mich an die Märchenerzählungen meiner Kindheit denken lässt. Glücklicherweise findet die erste Erkundung gleich in höchst kreativen Behausungen statt.

Künstlerdorf

 

Künstlerdorf

 

Gegründet Mitte der 60er von Feri Zotter, gebürtiger Neumarkter und viele Jahre Leiter der Künstlergruppe Burgenland, wuchs das Künstlerdorf stetig Haus für Haus. Von der Tiefe der Stille angezogen, fanden Persönlichkeiten wie Johannes Wanke, Peter Handke, Eduard Sauerzopf, Gerhard Roth, Rudi Schönwald, und viele mehr Zeit und Raum für ihr Schaffen.

Petra Schmögner, Vorsitzende des Kulturvereins Künstlerdorf Neumarkt an der Raab, erzählt, „Das Dachshaus wird gerade renoviert. Das ist die Urzelle des Kulturvereins, das erste Haus mit dem alles begonnen hat . Ein traditioneller Streckhof mit Strohdach und „gsatzten“ Mauern – im Fachjargon „häckselgemagerter Stampflehm“ und einer „Gredn“.

Strohdach

Damals in den 60er Jahren sind sehr viele von diesen Häuser abgerissen worden. „Gatschhütten“ haben sie sie genannt, da sie aus Lehm und Gatsch und Kuhfladen gemacht waren. Heute ist es ein Luxuskulturgut, weil es keine Hausschlachtungen und kein langhalmiges Stroh mehr gibt, und so ist es sehr schwierig und teuer an die Materialien heranzukommen.“

Glaskunst

Bei der Besichtigung der einzelnen Ateliers wird die Bandbreite der Tätigkeiten sichtbar. Eine Kursleiterin zeigt den neugierigen Teilnehmern die feine Glaskunst. Sie verarbeitet an einem sehr heissen Feuerstrahl mit einer Engelsgeduld kleine Glasfarbtupfer auf einer entstehenden Kugel.

Betrachtet man den Raum genauer, zieht einen die Fotostrecke „12 Spiegel im Südburgenland“ von Carolyn Aigner in den Bann. Jedes Foto erfasst einen sehr persönlichen Moment. Portraitiert wurden Künstler aus der Gegend.

Portraitbegleitung

Auch die Eindrücke der Sommerakademie wurden von der einstigen Kursteilnehmerin festgehalten. Sie schaffen mir die visuelle Vorstellung bewegter Tage und Nächte.

 

Schüttmalerei

Aktionskunst live steht mir heute offen. Petra Schmögner bereitet Farben und Leinwände auf der Wiese zwischen den altehrwürdigen Mauern aus. Es darf mit Schwung geschüttet werden. Nach einer Trockenzeit bekomme ich einen Teil des entstandenen Bildes geliefert und darf gespannt sein, welche Farbenpracht entstanden ist.

Für weitere Geschichten für alle Sinne ist ein Besuch wärmstens zu empfehlen! Ob Sommerakademie oder laufende Ausstellungen der Kursleiter, Künstler und Kursteilnehmer, ist das Beflügeln der eigenen Phantasie vorprogrammiert.

Alles Wissenswerte ist hier zu finden: www.neumarkt-raab.at

Herzlichen Dank an Petra Schmögner für die detaillierten Erzählungen, die von einem engagierten Herzen kommen!

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