Weininnovation: Den Kunden zum König machen

An dieser Stelle sollte ich jetzt über Justin Bieber oder über Cristiano Ronaldo berichten, damit dieser Blog-Beitrag auch eine nennenswerte Zahl an Lesern findet. Wenn ich es darüber hinaus noch schaffe dezent, leicht verständlich und prägnant etwas über Wein einfließen zu lassen, habe ich es geschafft, die meisten anderen weinbezogenen Blogs in puncto Klickrate weit zu übertreffen. Die Tatsache, dass triumvin.at ein reiner „Frauen“-Blog ist, sollte der Leserschaft ebenso zuträglich sein. So die Quintessenz einiger renommierter Fachleute auf dem „Wine Business Innovation Summit“, kurz #wbis, das diesen Jänner in München stattgefunden hat.

Innovation, startups, ideas = #wbis

Diese Konferenz dreht sich jedoch nicht nur darum, einen Weinblog erfolgreich zu betreiben. Vielmehr wird diskutiert, was man im Weingeschäft verändern und erneuern kann, um den Markt für Wein auszuweiten und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Herz dieser Veranstaltung ist daher der „#wbis Business Award“, ein Wettbewerb in dem Startups ihre Innovationen rund um das Thema Wein präsentieren. Aus 24 Bewerbern, wurden 8 Jungunternehmer ausgewählt. Diese präsentierten ihre Geschäftsideen nicht nur den Teilnehmern der #wbis Konferenz, sondern wurden auch von einer internationalen, fünfköpfigen Fachjury bewertet. Unter den Top 3 fanden sich drei sehr unterschiedliche Konzepte. Während WineDataSystem eine Software für den Weinfachhandel entwickelte, die herkömmliche Produktkataloge obsolet macht, präsentierte das portugiesische Weingut „Wine With Spirit“ seinen sehr gefühlsorientierten Ansatz im Marketing seiner Weine. Gewinner des diesjährigen Preises war ebenfalls eine Idee aus Portugal: The smart wine glass. Entwickelt von Andre Riberinho, der bereits mit seinem Adegga Wine Market neue Wege im Direktmarketing für Wein beschritten hat.

Mit einem simplen, aufklebbaren Chip, lässt sich jedes herkömmliche Weinglas in ein „smartes“, dh intelligentes, Weinglas verwandeln. Speziell für Weinverkostungen im größeren Rahmen entwickelt, können die Gäste mit diesem System leicht Übersicht über die verkosteten Weine behalten. Ein kurzer Kontakt mit dem Sensor-Gerät auf dem jeweiligen Aussteller-Tisch genügt und der verkostete Wein, sowie der dazugehörige Produzent werden auf dem Chip gespeichert. Diese Daten kann sich der Verkostungsgast in Listenform zusenden lassen und weiß somit einfach und übersichtlich Bescheid, welche Weine er von welchem Produzenten wo beziehen kann und wer die Kontaktpersonen sind.

Dieser einfache und vor allem direkte Zugang zum Kunden war mehrfach Thema von #wbis 2014. So präsentierte Ryan Opaz/Catavino die erfolgreiche Wein-Roadshow „Portuguese Wine Invasion“. Dafür haben sich vier portugiesische Weingüter zusammengetan und im mittleren Westen der USA eine einwöchige Tour auf die Beine gestellt, um ihre Weine zB im Rahmen von Verkostungen bekannter zu machen. Das Zielpublikum waren ausschließlich Konsumenten. Dieser ungewöhnliche Marktzugang brachte umgehend Erfolg. Durch die starke Nachfrage der Konsumenten bei deren regionalen Händlern und Weinfachgeschäften konnten alle vier Weingüter neue Märkte und Distributoren gewinnen. Ganz ohne sich durch einen langwierigen Prozess von Mustersendungen, Blindverkostungen und Preisverhandlungen zu quälen.

Auch der schwedische Club Amarone ist mit dem Konzept, sich direkt an die Endkonsumenten zu wenden, im Monopol dominierten Schweden überaus erfolgreich. Von einem privaten Weinclub der Informationen und Weinangebote per Newsletter an seine Mitglieder verteilt, hat sich Club Amarone binnen 7 Jahren zu einem starken Absatzkanal entwickelt. Diesem Trend für den hochpreisigen und kräftigen Rotwein aus der italienischen Valpolicella-Region konnte sich selbst das Systembolaget nicht entziehen und entschloss sich 2012 dazu, diese Weine ins Standard-Sortiment seiner Geschäfte aufzunehmen.

Robert Joseph, britischer Weinfachmann, der sich auf Konsumentennähe im Weingeschäft spezialisiert hat, sieht diese Beispiele lediglich als Beginn für eine gänzlich neue Entwicklung im Weinvertrieb. Auf den Winzer kommen neue Herausforderungen hinsichtlich seiner Kommunikation zu. Lag bisher der Schwerpunkt auf den Informationsaustausch mit Händlern, wird es – Dank des Social Media Zeitalters – immer wichtiger direkt mit dem Konsumenten in Verbindung zu treten. Nicht nur mit den Kunden zwei Dörfer weiter, sondern auch mit den Kunden in Auslands- oder Übersee-Märkten. Jedem Kunden das Gefühl zu vermitteln, wertgeschätzt zu werden gewinnt zunehmend an Bedeutung. Diese Zufriedenheit wird gerne geteilt und die Weine empfohlen, wodurch die Bekanntheit auch kleiner Winzer gesteigert und Nachfrage bei Händlern generiert werden kann. Ohne groß in Marketingbudgets zu investieren.

Für mich als Konsumentin scheint diese Entwicklung durchaus positiv zu sein. Es ist immer schön, wenn man wertgeschätzt wird. Aber welche Rolle spielen in Zukunft die Weinhändler und –importeure, wenn ihnen die Winzer bald ihre Arbeit abnehmen? Müssen sie sich mit der Rolle der „Überbrückungsfunktion“ oder der, reiner Logistiker zufrieden geben? Wären sie gut beraten, sich eine Berühmtheit als Testimonial zu schnappen und damit den Absatz zu erhöhen? Doch welcher Star will schon mit Alkohol in Verbindung gebraucht werden, außer es handelt sich um dessen eigenes Weingut?

Das Thema des traditionellen Weinhandels wurde in der aktuellen Ausgabe der Konferenz ein wenig außen vor gelassen. Ebenso die Auswirkungen, dieser Konsumentenoffensive, die sich langsam von Winzerseite anzubahnen beginnt. Auf uns Konsumenten scheinen jedoch rosige Zeiten und ein noch breiteres Angebot am Weinmarkt zuzukommen.

 

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