Home sweet home – österreichischer Wein als “sichere Bank”

volles Haus in der Markthalle Neun
Die lichtdurchflutete Markthalle Neun wurde von Naturwein-Liebhabern gestürmt

Nach früheren Besuchen der RAW Wine Fair in London, war ich heuer das erste Mal bei der Auflage dieser Naturwein-Messe in Berlin. Die Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg präsentierte sich als idealer, hipper Ort für die Präsentation der ebenso modernen, wie auf das Wesentliche reduzierten, Weine. Rund 140 Aussteller aus Europa, der Türkei und Georgien präsentierten ihre Weine, die sich durch eine möglichst naturbelassene Arbeitsweise in Keller und Weingarten, sowie einen Schwefelgehalt (SO2) von max. 70mg/L auszeichnen. Die exakten Zugangskriterien sind in der “Charter of Quality” nachzulesen.

Winzer Michael Wenzel präsentiert seine WILD+FREE Weinlinie
Die maischevergorenen und ungeschwefelten Weine von Michael Wenzel (WILD+FREE) waren eine freudvolle Entdeckung
Foto: Simon Woolf

 

Mit den Winzern über die Herstellung ihrer Weine zu sprechen ist schlichtweg faszinierend. Denn selbst wann man den Wein so naturbelassen, wie möglich erzeugt, gibt es unzählige Schritte von der Lese bis zur Abfüllung in der sich die Winzer und ihre Methoden unterscheiden. Sei es das Pressen (Ganztrauben-Pressung, gerebelt, mit Füßen gestampft, etc), oder die Beigabe von SO2 in verschiedenen Stadien (nach der Gärung, nach dem Abziehen, vor der Füllung, etc) bzw. das vollständige Weglassen desselben. Von der Dauer der Mazeration über die Auswahl der Gär- und Reifebehältnisse – die Bandbreite ist überraschend groß. So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Weinstile sehr unterschiedlich sind.

 

Kalligraphie-Etiketten des Weinguts Peter Wetzer
Peter Wetzer macht terroirbetonte, langlebige Weine rund um Sopron, sowie einen Leithaberg Blaufränkisch.
Foto: Simon Woolf

Einerseits ist diese Auswahl ein wahres Eldorado für den Weinliebhaber, andererseits ist es auch Knochenarbeit, sich durch so viele Weine wie möglich zu kosten. Schließlich bietet sich die Gelegenheit nicht oft, eine derart große Anzahl an Experten des Naturweingenres unter einem Dach vorzufinden. An diesem Tag schien ich besonders kritisch im Verkosten zu sein, denn viele der Weine schienen mir entweder zu säurebetont oder volatil (flüchtige Säure), oder “mäuselten” gar. Leicht erschöpft von den ersten Stunden der Verkostung wandte ich mich den österreichischen Produzenten zu. Und siehe da, diese Weine machten viel mehr Trinkspaß! Seien es nun die weststeirischen, maischevergorenen Weine der Wein- & Sektmanufaktur Strohmeier, die markante “Weinfamilie” des Guts Oggau oder eleganten Kreszenzen des Claus Preisinger. (Weitere meiner Favoriten sind hier bildlich festgehalten.*)

Die beiden Schwestern Renner mit Weinflaschen und dem witzigen Traktor-Etikett
Susanne und Stefanie Renner, deren Weiß-, wie Rotweine überzeugen
Foto: Simon Woolf

 

Trotz der verspürten Euphorie, endlich Weine gefunden zu haben, die ich mit Freude trinken und nicht nur verkosten möchte, stellte ich mir doch die kritische Frage, WARUM! Warum, schmeckten mir die österreichischen Weine – und jene von Peter Wetzer zähle ich zu diesen, macht er doch gemeinsam mit Gerald Rouschal einen herrlichen Leithaberg DAC – so viel besser als die meisten anderen in dieser Halle? War es der Nationalstolz, ein gewohntes Geschmacksbild oder doch objektiv bessere Qualität? Bisher ist es mir nicht gelungen eine Antwort darauf zu finden. Nichtsdestotrotz hat sich für mich wieder einmal bestätigt, dass Österreich als Weinland eine verlässliche und – im Ausland nach wie vor unterschätzte – Wahl darstellt. Ganz egal, ob es sich nun um Naturweine oder “klassische” Qualitätsweine handelt – ich bin sehr froh im Weinland Österreich groß geworden zu sein!

 

*) Links zu den Weingütern in den Fotos:

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