Wein, der Feuer in den Augen lodern lässt ODER: Slowakei einmal anders

Weine des Weinguts Slobodné Vinárstvo
Slobodné Vinárstvo, „Cutis Deviner“ Cuvée aus Devín, Traminer, Veltliner

“Man sieht wieder das Feuer in den Augen”, sagt Ewald Tscheppe, Winzer in der Südsteiermark über das, was sich in der Weinszene derzeit abspielt. Wir befinden uns mitten in einer unglaublichen Transformationsphase. Noch nie zuvor in der jüngeren Weingeschichte hat es eine so vielfältige und dynamische Weinszene gegeben.

Über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte wurde versucht, die Qualität des Weines durch verbesserte Technologie zu heben. Bereits 1873 wurden in dem von Arthur Freiherr von Hohenbruck herausgegebenen Buch “Die Weinproduction in Oesterrich. Nach den neuesten statistischen Erhebungen.” für verschiedene Regionen Österreichs Investitionen in Rebzucht, Weinbau und Kellerwirtschaft als Notwendigkeit gesehen, um am in- und ausländischen Weinmarkt erfolgreich(er) zu sein. Mehr als 100 Jahre später waren die Empfehlungen kaum andere. Doch was war mit dieser konsequenten Modernisierung erreicht worden?

Neben einem zweifelsfrei höheren Qualitätsstandard, gleichzeitig eine immer größere Uniformität der Weine, welche die Industrie händeringend um neue Produktentwicklungen rufen ließ, um das Segment Wein auch für die jüngeren Generationen anziehend zu machen und Marktanteile zu behalten. Von neuartigen Weinverpackungen und Verpackungsgrößen, über Weinmischgetränke bis hin blauem Wein reichen die Initiativen. Doch die Rückbesinnung auf beinahe vergessene Methoden, die wenig Intervention (sowohl technisch als auch chemisch) im Weingarten, wie auch im Keller verlangen, scheint bisher der erfolgreichste „Trend“ zu sein.

Etikett des Weins Oranzovy Vlk
Weingut Magula, Orange Wein aus Welschriesling, Grüner Veltliner und Devín

Durch die Biodynamie-Bewegung, die nach anderen landwirtschaftlichen Bereichen auch die Weinwelt erfasste und sich über die Jahre immer stärker behauptet, scheint ein Umdenken in vielen Köpfen initiiert worden zu sein. Nicht allein bei Winzern, die vermehrt auf eine schonende, ja respektvolle Weise mit ihrem Boden und den Reben umgehen. Auch bei Konsumenten wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger. Noch aufsehenerregender ist jedoch, was Weintrinker heutzutage ins Glas bekommen. Weine, die nicht mehr eindeutig den Kategorien, „Weiß“, „Rot“, „Rosé“, „Schaumwein“ zuzuordnen sind. Aromen, die bei Weinkursen als Weinfehler tituliert werden, erobern nun die Herzen und Gaumen von Weinliebhabern rund um die Welt – und entfachen heftige Diskussionen zwischen den Fans unterschiedlicher Geschmacksrichtungen.

Ganz kann ich diese Polarisierung nicht verstehen, denn schon bisher musste man sich seinen Weg zwischen großartigen Weinen und vernachlässigbaren bahnen. Nicht jeder Bordeaux oder Burgunder ist eine Gaumenfreude! Dasselbe gilt für die Weine der Kategorie „natural / bio-dynamisch / orange,…“.  Bemerkenswerter erscheint aber, dass diese Meinungsverschiedenheiten endlich wieder Leidenschaft unter den Weintrinkern entfachen! So schießen neue Weinveranstaltungen und -messen ebenso aus dem Boden wie Naturwein-Bars, während sich junge Sommeliers um die neuesten Füllungen von Winzern aus Weinbauregionen reißen, die bis dato kaum bekannt waren. Eine solche „Newcomer“-Region könnte die Slowakei sein.

Vor knapp 5 Jahren stellte ich bereits die Frage, ob slowakische Weine zu Exportschlagern werden könnten. Bisher war dafür wenig Nachweis zu finden. Die Weinproduzenten sind jedoch keineswegs still gestanden. Erst kürzlich hatte ich das Vergnügen eine Reihe naturbelassener bzw. maischevergorener, slowakischer Weißweine zu degustieren. Häufig aus der lokal beliebten Traubensorte Devín gewonnen, überzeugten sie die Verkoster durch eigenständigen Charakter, unbekannte und zugleich reizvolle Aromen, Langlebigkeit und Trinkfluss. Das Schillern der verschiedenen Farbtöne in den Gläsern machte mich beinahe glauben, Feuer in den Augen der Anwesenden lodern zu sehen…

Strekove 1075 "Heion"
Strekov 1075, maischevergorener Welschiesling

Weine folgender slowakischer Weingüter wurden verkostet:

 

Vielen Dank an Simon Woolf für die Zurverfügungstellung der Fotos.

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